2. Teil des Interviews mit Manfred Kaltz
LA:Für viele giltst du als „lebende Legende“. Fühlst du dich selbst so? Wie erlebst du diesen Status?
MK: Ich fühl mich ganz normal. Legende? Frag mal meine Tochter… (er lacht und die Augen leuchten, als er von seiner Tochter spricht).
LA:Zusammen mit den Mannschaftskameraden Felix Magath, Horst Hrubesch, Holger Hieronymus spieltest du in den 80ern für den HSV und 1982 im Kader der WM in Spanien. Gabt ihr auch außerhalb des Rasens ein gutes Team ab? Bestehen die „alten“ Freundschaften heute noch? Gibt es eine besondere Freundschaft zu einem ehemaligen Spieler oder Trainer? Was verbindet euch? Gab es vielleicht ein besonderes Erlebnis durch das eure Freundschaft entstanden ist oder gestärkt wurde?
MK: Ja wir waren ein gutes Team in jeder Hinsicht und klar bestehen die Freundschaften noch! Mit Horst Hrubesch geh ich ins Stadion. Uns verbindet die Vergangenheit. In schlechten, wie in guten Zeiten. Wir waren immer zusammen. Heute haben wir unsere festen Tage. Meistens treffen wir uns alle in der Hausfrauenzeit -donnerstags gehen wir Sushi essen und danach gucken wir Fußball.
LA:Was habt ihr alles so angestellt, wenn ihr gemeinsam unterwegs gewesen seid? Gab es einen besonders beliebten Treffpunkt?
MK: Ja, jetzt bin ich wieder schweigsam! (lacht dabei.)
Wir waren oft im Zwick am Mittelweg. Die ehemalige Miss Hamburg, Jaqueline ist immer noch da!
Aber eigentlich haben wir immer mehr privat gefeiert mit den Spielern und den Frauen. Da ging es manchmal auch ganz schön drunter und drüber, aber das kam nie raus… (und er lächelt dabei wieder)
Was wir da veranstaltet haben: Faschingspartys, Pyjamapartys, Silvester haben wir zusammen gefeiert und und und. Früher hat man eben einfach mehr privat gefeiert.
LA: Wie hast du die Wandlung von einem der weltbesten Fußballer und bekanntesten Sportler Deutschlands, zum Manfred Kaltz von heute wahrgenommen?
MK: Die Karriere ist vorbei und ich führe ein normales Leben. Die Weichen kann man stellen, nur wann und wie irgendetwas passiert, dass weiss man nie. Ein ganz normaler Prozess des Lebens. Heute ruft niemand mehr an, man ist raus aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Ich hab mich nie als Promi gefühlt, ich hatte nie den Drang mich als Prominenter zu profilieren.
LA:Mal etwas Aktuelles: Wie wir ja nun alle wissen, ist das Thema HSV brandheiß. Es lässt sich nicht vermeiden, dass sich das auf Verein und Spieler auswirkt. Wie hoch ist der Druck der Öffentlichkeit auf die Mannschaften und die Verantwortlichen? Wie geht man als Team und als einzelne Person damit um und wie war das früher bei euch? Das Thema Burnout ist zurzeit in aller Munde und auch im Spitzensport angekommen, wie beurteilst du diese Entwicklung?
MK: Klar es herrscht ein hoher Druck. Es wurden Fehler im Management begangen. Es wird eine harte Saison für den HSV. Es sind junge Männer mit wenig Erfahrung, das war bei uns damals nicht anders. Sie müssen lernen, sich von außen kein Druck machen zu lassen, die Motivation muss von innen kommen. Man darf sich von der Öffentlichkeit nicht beeinflussen lassen, das muss man ausblenden. Wichtig ist nur das, was auf dem Platz geschieht. Jeder Mensch ist anders. Dennoch kann es vorkommen, dass es bei den Spielern in ihrer Vergangenheit wenig Anerkennung gab und plötzlich zu viel davon da ist. Das ist für junge Menschen keine leichte Situation und schwer damit umzugehen. Du kannst in den Menschen nicht hinein gucken, was für Ängste vorhanden sind. Das ist aber bei allen Menschen so. Was mir nur im Alltag auffällt ist. z.B. wenn ich morgens in die Bahn gehe, dass die Menschen nicht mehr lachen und freundlich guten Morgen sagen, oder sich unterhalten, sondern müde und gelangweilt den Kopf senken und nicht hoch gucken. Die Menschen sind unbeweglich, wie gelähmt. Wo ist die Dynamik geblieben, gerade bei den jungen Leuten?
LA:Was sagst du zu dem Medienhype um die teilweise sehr jungen Fußballstars des HSV? Wie beeinflusst so viel mediale Aufmerksamkeit einen jungen Menschen? Wie hat sich der Medienrummel um dich damals angefühlt, wie bist du damit umgegangen? Was würdest du gerne aus deiner Erfahrung jungen Fußballprofis weitergeben?
MK: Die jungen Spieler werden zu schnell groß gemacht und haben dadurch keine Chance in ihre Rolle hineinzuwachsen. Davon muss man sich frei machen, so habe ich es damals gemacht. Man benötigt nur die richtige Einstellung zu seinem Beruf.
LA:Wo hat Manni noch Potential?
MK: Mein Potential: Ich werde meistens unterschätzt. (lacht dabei)
LA:Gibt es Momente, in denen der Fußball für dich ganz weit weg ist?
MK: Ja jetzt gerade und wenn ich Zuhause bei meiner Familie bin.
LA:Du bist heute noch unglaublich fit und aktiv. Wie jung fühlt sich Manni Kaltz heute, in der Mitte seines Lebens? Hast du einen Tipp, wie man lange jung und aktiv bleibt?
MK: Viel schlafen, wann auch immer. 3x in der Woche laufen. Solange Dieter (Schlindwein) nicht wegläuft ist alles gut! Ansonsten ist es gut mit jungen Leuten zusammen zu sein, Kinder fordern viel, vor allem Spontaneität und das hält jung.
LA:Was macht Manfred Kaltz in fünf Jahren?
MK: Soweit denk ich nicht voraus – nur da wird die Luft dünner Aber ich hoffe ich kann dann noch laufen und meine Laufgruppe hat sich bis dahin verdoppelt. Meine Laufgruppe besteht aus Frauen und Schlindi. 10km um die Alster – das ist der gesunde Ausgleich!
LA:Du kennst ja das Konzept von SPORTERS HAMBURG, aber wie beurteilst du dieses?
MK: Ich finde das Konzept zeitgemäß. Hier kommen Unternehmen aus der klein- und mittelständischen Wirtschaft zusammen, die den Leistungssport in Hamburg unterstützen. Eine tolle Sache, etwas Sachliches wie Business mit etwas emotionalem wie dem Sport zusammenzubringen und gleichzeitig auch noch die Region zu stärken. Und wenn man Lust hast, ergeben sich tolle Kontakte um wiederum Business untereinander zu machen aber gleichzeitig Spaß bei euren Veranstaltungen zu haben. Am wichtigsten ist mir aber, die jungen Sportler zu unterstützen, wie Beispielsweise die Athleten des Team Hamburg und spannende Abende in der O2 World mit den Partnern von SPORTERS HAMBURG zu verbringen und gleichzeitig die Jungs des HSV Handball zu unterstützen.
Vielen Dank für das super sympathische Interview - Herr Kaltz!
Interview wurde geführt von Lemia Al-Barazanchi (LA) am 31. Oktober in Hamburg.
